einer privaten Mittheilung des Herrn Dr. Polack^) erfahren habe, Ruhr überall endemisch ist, wo Malariafie- ber heimisch sind, im Paschaük von Bap:dad 7), auf der Küste und in der Ebene von Syrien^), vorzugsweise aber in Arabien, wo die Krank- heit in nahe derselben Frequenz und Bösartigkeit, wie in Indien, vorkommt; es gilt diess besonders von den westlichen Küstenstrichen des Landes, so, uach den Mittheilungen von Aubert Roche 9) und Cour bon ^Oj^ von der Küste Hedjaz und dem nördlichen Theile der Küste Yemen (in Jambo, Dschidda, Confonda, Mokka u. a. 0.) auch in Aden ist Ruhr, wie Malcolmson^O und Howison 12) berichten, eben so häufig als bösartig, namentlich nennt der letztgenannte Beobachter die Krankheit „the most formidable disease, „both as repects its frequency and its danp:erous characler" und fügt hinzu, dass innerhalb eines Jahres (1839) unter 345 Mann englischer Truppen i(X) Fälle von Ruhr und bösartigem Darmcatarrh vorgekommen sind, und nicht weniger verderblich herrscht die Krankheit in Muscat, wo, wie Lock- woodi3) bemerkt, der Sommeraufenthalt für Europäer gerade wegen der daselbst, neben Malariafiebem vorherrschenden, Ruhr absolut tödllich ist. Mit wenigen Worten will ich hier gleich des Verhaltens von Ruhr auf Australien und den Südsee - Inseln gedenken. — Auf dem Festlande von Australien kommt die Krankheit, den Mittheilungen von Miili- gan^*) und Dempster^^) zufolge, endemisch, jedoch meist mit gutarti- gem Charakter, auf der Süd Westküste des Landes, an den Ufern des Schwa- nenflusses (in 32''S. B.) vor, sehr häufig und weit bösartiger, als in ge- mässigten Breiten (speciell England), wird Ruhr, wie Clutterbuck ^^ erklärt, in Port Philipp und Melbourne beobachtet, dagegen soll die Krank- heit in andern Gegenden von Australia felix, dem Berichte vonBaker^^) nach, seilen und wenig geiährlich sein, eine Thatsache, die Lesson^^j schon früher bezüglich des Port Jackson, des Hafens von Sidney, mitge- theilt halte ; auf v. D i e m c n s 1 a n d wird die Krankheit, wie aus den Berichten 1) Lond. med. Timea and Ga«. 1854 April 335. f) Madpwi quart med. Journ. IV. 2«. 3) Gazettecr of tho conntrie» adiacant to India on North- Wwt. Lond. l«4l. 4) Bombay med. transart. Hl. 146. r>) Provinc. med. and snrff. J. 1845. .Vi. 6) Vcrffl. den Bericht desseHien In ZcItBchr. der Wiener Aerzte 1859. 139, über das cnd^'mt- 8cho Vorhornichen von Rnhr In der Umprepend von Teheran. 7) Floyd in Lancet 1H43. II. N. 4. 8) Robert ton iu Edinb. med. and iurif. J. LX. W. Homer in Amer. .7. of med. So. 1H37 Mal Zf)», Tobler Beitr. xor med. Topoffr. von Jemsaleni. Beri. IHön. 44. 9) Annal. d'Hyflr. XXXI. S3. 10) Obierr. topoff. et mM. «tc. Par. lR<il. 67. 11) Jonm. of the roy. Asiatie See. VIII. S7i». 12) Bombay med. transnct. III. 79. 13) Amer. J. of med. 8c 1816. Jannar »i. 14) Galatt. med. tr. VIII. Anpend. IX. 15) ibid. VIL 344. 16) Port PhUtpp in 1849. Lond. 1850. 17} Sydney and Melbonrn«. Lond. 1S46. 1«) L e. 112. OrgMi'granlihwton. Rohr. 201 in Scott ^) und Power^ hervorgeht, wenig oder gar nicht beobachtet, id eines gleichen Vorzuges erfreut sich, den übereinstimmenden Aussa* n VCD Aerzten und Reisenden, so namentlich von Johnson 3) und homson^), zufolge, Neu-Seeland, wo Ruhr unter den Eingebornen, me Zweifel in Folge alimentärer Schädlichkeiten, zwar häufiger vor- »moit, unter den englischen Truppen aber so selten ist, dass, während England unter 1000 Mann jährlich etwa 100 Fälle von Ruhr und Darm- itarrh vorkommen, die Zahl solcher Kranken auf Neu-Seeland wenig ehr als die Hälfte (55) belrägL — Auf den tropisch gelegenen Süd- $e -In sein dagegen, so namentlich nach Vinson^) auf Neu-Caledo- en» nach Wilkes<^) auf den Fidschi -Inseln, nach Wilson^), Lesson^ id Bennet*) auf dem Archipel von Tahiti, nach Lesson^^^) auf den argareva- Inseln, nach Chapin^i) und Gulick^^) auf den Sandwich* sein u. 8. w., zählt Ruhr zu den häufigsten und verderblichsten der un- r den Eingebomen vorherrschenden Krankheiten. — Auf dem afrikanischen Festlande begegnen wir endemischer Ruhr in lormer Verbreitung, Häufigkeil und Bösartigkeit zunächst in Egypten; fiorbus, post pestem maxime in Aegypto timendus,'* sagt Frank i^), „est lysenleria, quae huic climati inhneret/* und in ähnlicher Weise haben ch zahlreiche frühere Berichterstatter, wie namentlich Dewari^),Briant^), arb^s^^) und Pugnet^^), welche die verheerenden Ausbrüche der mnkheil unter den englischen und französischen Truppen während des rikanischen Feldzuges zu beobachten Gelegenheit gehabt haben, als ach alle neueren Reisenden und Aerzte ^^) geäussert; die Krankheit errscht, wie u. a. Röser bemerkt, daselbst zu allen Zeiten epidemisch nd der grösste Theil aller an acuten und chronischen Krankheiten lei- enden Individuen stirbt schliesslich an Ruhr, als einer sich einstellenden ugabe. — Am wenigsten häufig und bösartig ist die Krankheit in den Küstengebieten, und zwar sowohl auf der Küste des Mittelmeeres (Pru- erj, wie, nach den Beobachtungen von Aubert-Roche und Cour- on, auf der egypiischen Küste des rolhen Meeres und speciell in Suez; eit häufiger und bösartiger tritt sie schon in Mittel- und Oberegypten nd in der Thebaide auf, in der grössten Extensität und Intensität aber ndet man sie in den eigentlich tropisch gelegenen Gegenden des Landes, I Nubien, und hier eben so wohl im oberen Nildelta, speciell in Char- jm, das Russegger gerade dieser Krankheit und Malariafieber wegen Is einen der gefährlichsten Aufenthaltsorte lür Fremde in Afrika erklärt, rie an den Ufern des blauen und weissen Nils, so u. a. in Sennaar, und 1 demselben Umfange, wie in Nubien, soll Ruhr, dem Berichte von Pru- >er zulolge, auch in Cordolan heimisch sein; aus den westlicher gele- ;enen Negerländern fehlt es in dieser Beziehung an allen, irgendwie erlässlichen, Nachrichten. — In gleicher Frequenz, aber weniger bösartig, 1) Fror. med. triinMhct. III. 2) Dublin. J. of med. Sc. 1843. Mün. :ii llnblio. med. Press 1H43. X. 221. 4) Edinb. med. and surf?. J. LXXIV. HS und Brlt.-^ And tor. med. -chir. Rorlew 1851. Octbr. b) Topojrr. ro*d. de In Nonvcllo- Cal^^do- nie etc. Par. IKT»». h) U. 8. Explor. Kspeditiun 111. 345. T! Kdinb. med. and Knrff. J. II 295. H) 1. c. 5o. 0) Lond. moxi. Gas. IX. 4:u. itv V'iyaffe aux Isles Marfrureva. Rochefort 1845. 11) Amer. J. of med. Sc. 1837. Mai. 12 j New-Vork J. of Med. 1855. März iß». 13) De pente, ayienteria et ophtliHlm. ejfypt. Vicnn. IM*. I>*l. U) Obsen*. on diarrhoea and dyseutery m tliOMe diseases ap- rred in tbe british army dnrinff> tlie canipaifrn in K>:ypt. etc. Lond. 1808. neisenettes, Hist. med. de rarmt'^o d'Oriont. Par. I8u2. H. 21. if?) ibid. 11, &S. 17) M^,m. sur Ics fl^vr. do mauvais caract. da Levant. etc. Lyon 1804. 3o. IV. Röser. Ueber eiulKo Krankheiten des Orients. Aiijrsb. 1H37. 24, Pruner l. c. 212, Ciot-fiey, Aperqu gin. snr l'Egypte 11. SiH, RussejcKer, RciHen etc. I. 202, Duh«- mel, Deoksohr. der rassisch, fceoirr. Gesellseh. I. »3, Grleslnfper, Arch. fUr physlol. lleflkde. XIL XIU, Veit in WUrtbg. med. CorrespdxM. IZ. 105. 202 Hirich, Uitoriioli gtogftpldiähi PalhoIogM. als in den zuvor genannten Gegenden Afrikas, herrscht Ruhr en- demisch in Abessinien, und zwar sowohl auf dem Küstengebiete^ wie auf der Hochebene 3), (so namentlich in Adowa), in den tieferen G^ birgsthälem und an den flachen, sumpfigen Ufern des Takaze und Sem- bea-Sees; je höher, freier und trockner die Gebirgslandschafl Abessiniens wird, uro so seltener zeigt sich die Krankheit, und in den eigenüid) bergig gelegenen Punkten kommt sie fast gar nicht mehr vor. — Ueber die Krankheilsverhältnisse des südlich von Abessinien gelegenen, tropi- schen Theiles von Ostafrika besitzen wir keine verlässlichen Nachrichten; Reisende haben über das endemische und mörderische Vorherrschen von Ruhr auf Zangibar^), der Küste von Mozambique, den Comoren, und ad Madagaskar berichtet; sicher gehört Ruhr auf Isle de Bourbon dimj auf Mauritius, den Berichten von Couzier^), Allan^, Oelsner*] Follet^ und Dutroulau^) zufolge, zu den häufigsten und Verderb lichslen der daselbst endemisch herrschenden Krankheiten, naroenllicl weiset Tüll och ^) nach, dass die grossen Krankheits- und Sterblich- keitsverhällnisse unter den englischen Truppen auf Mauritius weit wenigei durch Fieber, als durch Darmkatarrhe und Ruhr bedingt sind, und ir demselben Umfange und mit derselben Bösartigkeit, wird die Kranichei auf St. Helena 10) und auf Ascension ^i), sowie, wenn auch wenigei tödtlich, doch sehr häufig und verbreitet, auf dem Caplande^) ange troffen, ja sie soll hier, wie Schwarz erklärt, nächst Rheuma die an häufigsten vorkommende und verderblichste Krankheit sein; das Maximun ihrer Frequenz erreicht sie unter den Cafiern und Hottentotten, unter de- neu sie mit einer Sterblichkeit von mindestens 26% der Befallenen ver läuft; Lichtenstein 13), welcher eine Ruhrepidemie unter den holländi sehen Truppen am Cap im Sommer 1804—5 zu beobachten Gelegenhei gehabt hat, bemerkt, dass im Verlaufe derselben von 2500 Mann 63* erkrankt und von diesen 133 (21 %) gestorben waren. — In welchen Umfange und mit welchem Charakter die Krankheit in den südlichere) Gegenden des tropisch gelegenen Theiles der Westküste von Afrik vorkommt, lässt sich nicht entscheiden; Lopez de Lima^*) bezeichne sie als eine der häufigsten und bösartigsten unter den daselbst endemiscl herrschenden Krankheiten, während Moreira^^) in Loanda und Ben guela nur einzelne leichte Fälle von Ruhr gesehen hat, sehr verbreite und bösartig ist die Krankheit jedenfalls auf der Küste von Congo*^; Jen seits Cap Lopez, bis gegen die Bay von Biafra hin, wo überhaupt gün stigere Gesundheitsverhällnisse angetroffen werden, kommt sie seltene vor ^7), das Maximum ihrer Frequenz und Bösartigkeit aber erreicht si< auf der Küste und den Inseln der Bay von Biafra und Benin, wie nament U)